Carola Ferstl

Interview mit Henrik Naujoks zum Learn Money Day 2014

Herr Naujoks, sie engagieren sich seit Jahren als Berater und Vorstandsmitglied für soziale Initiativen, darunter die Learn Money Week und sind Gründungsmitglied des Learn Money e.V. Warum ist finanzielle Bildung von Kindern und Jugendlichen wichtig?

Aus zwei Gründen: Erstens, es ist erschreckend und beängstigend zugleich, wie schnell Kinder und Jugendliche in die Verschuldung rutschen. 10 Prozent der heute verschuldeten Menschen haben ihre ersten Schulden bereits als Jugendliche gemacht. Zweitens, die Verführung durch die Einfachheit der digitalen Medien nimmt zu. Handyrechungen oder Einkaufen übers Internet führen schnell zu von Kindern und Jugendlichen nicht mehr kontrollierbaren Ausgaben und somit in die Schuldenfalle. Leider hat die Gesellschaft darauf keine Antworten, weil wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge in den Schulen viel zu wenig aufgegriffen werden.

Bereits zum dritten Mal beteiligt sich Bain & Company und macht Learn Money Days in Grundschulen im deutschsprachigen Raum. Was lernen die Kinder an diesem Tag über den Umgang mit Geld?

Wir bringen den Kindern bei, verantwortlich und verantwortungsvoll mit ihrem Taschengeld umzugehen. Wir erklären ihnen den Unterschied zwischen Geld ausgeben, Geld kurzfristig und langfristig zu sparen und Geld spenden für eine gute Tat. Das was wir hier mit den Kindern üben, kann jeder auch zu Haus fortführen, indem Eltern das Taschengeld in Münzen auszahlen und mit ihren Kindern darüber sprechen, was sie mit dem Geld machen möchten. Dieser bewusste Umgang mit Geld – den wir anstoßen und den jedes Kind zu Haus weiterführen soll – der macht den Unterschied.

Ihr Engagement, Kindern und Jugendlichen einen besseren Zugang zu finanzieller Bildung zu ermöglichen, umfasst in diesem Jahr auch Afrika. Es finden Schulstunden in Lagos und Johannesburg statt. Wie unterscheidet sich der Aufbau und Inhalt der Stunde dort, von der in Düsseldorf?

Die Grundinhalte sind gleich, wir wollen den Kindern den Umgang mit Geld mit einfachen Mitteln verständlich machen. Aber natürlich gibt es Unterschiede. Wir nutzen hierzulande das Sparschwein, das kennt jedes Kind. In anderen Ländern ist das Sparschwein aber keineswegs so verankert wie in Deutschland, weshalb die Schulstunden in Afrika eben ohne das Sparschwein stattfinden. Auch wenden wir uns in den verschiedenen Ländern an unterschiedliche Altersgruppen, in Deutschland sind es Kinder zwischen acht und neun, in Afrika meist älter. Aber die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Lehrer ist enorm.

Nachhaltige Finanzbildung in Deutschland, was ist dafür notwendig?

Die Schule hat hierbei eine Schlüsselfunktion. Doch mein Eindruck ist, das Wirtschafts- und Finanzthemen viel zu wenig in den Schulen behandelt werden. Da gibt es offensichtlich Berührungsängste. Daher habe ich zwei Wünsche: Erstens, finanzielle und wirtschaftliche Bildung stärker in den Unterricht integrieren, d.h. es muss Teil des Lehrplans werden. Und zweitens ist es genauso wichtig, wirtschaftliche Inhalte und Zusammenhänge spannend zu vermitteln und da sind die Lehrer direkt angesprochen.

Warum engagiert sich Bain & Company für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld?

Wir sind ein weltweit agierendes Beratungsunternehmen und Community-Arbeit ist seit jeher fester Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Mit unserem Wissen über wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge können wir der Gesellschaft einiges zurückgeben und tun das gerne. Von Beginn des Learn Money Projekts an waren meine Kolleginnen und Kollegen in Düsseldorf mit Begeisterung, Freude und Leidenschaft dabei, mit den Kindern zu arbeiten. Begonnen haben wir vor drei Jahren in Düsseldorf und inzwischen finden solche Schulstunden auch in anderen Standorten von Bain statt. Mein Eindruck ist, dass sich die Begeisterung meiner Kollegen, sich für das Thema zu engagieren auf die Mitarbeiter im gesamten Unternehmen übertragen hat – und insbesondere auf die Schüler, denn darum geht es uns.

Was waren die Hintergründe eine globale Learn Money Week zu etablieren?

Wir haben auf einem Treffen der Young Global Leader beim World Economic Forum (WEF) in Davos im Jahr 2008 überlegt, welche Leidenschaft uns verbindet. Das Ergebnis war die Erkenntnis, dass uns die finanzielle und wirtschaftliche Bildung von jungen Menschen wichtig ist. Daraufhin gründeten wir die Learn Money Initiative und haben zunächst Schulstunden zum Anlass des Weltwirtschaftsforums in Davos gegeben. Später haben wir uns entschieden, das weltweite Netzwerk der YGL zu nutzen. Inzwischen veranstalten wir die Learn Money Week zum dritten Mal weltweit und erreichen in diesem Jahr über 50.000 Kinder. Das begeistert uns als Initiatoren, aber vor allem auch diejenigen, die davon hören und aktiv mitmachen: die Kinder und Jugendlichen sowie die Lehrer.

Copyrights: Learn Money e.V., Berlin/ Germany, gutsche@bluechildfilm.com, mobil: +491736329494

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